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Sie glauben an Engel, Herr Drowak?

Drama, Deutschland/Schweiz 2024, 127 min

Hugo Drowak (Karl Markovics) lebt allein in einem heruntergekommenen Hochhaus: betrunken, abgestumpft, mit der Routine eines Menschen, der sich längst aus allem verabschiedet hat. Arbeit, Pläne, Zukunft - Wörter aus einem anderen Leben. Drowak ist ein Misanthrop aus Selbstschutz, einer, der zuerst verachtet, um nicht enttäuscht zu werden. In diese Starre tritt Lena (Luna Wedler): konzentriert, mit einer Hartnäckigkeit, die nicht nach Heldentum aussieht, eher nach Genauigkeit.
Sie begegnet Drowak im Rahmen eines sozialen Projekts und bringt ihn in einen Schreibkurs. Es ist ein Angebot, das wie eine Zumutung wirkt: Wörter finden, wo sonst Schweigen herrscht. Drowak reagiert mit Spott, mit Abwehr, mit dem reflexhaften Griff zur Flasche. Lena bleibt trotzdem. Sie drängt nicht, aber sie weicht auch nicht aus. Zwischen Übungen, kurzen Gesprächen im Treppenhaus und Momenten, in denen Drowak sich selbst überrascht, entsteht ein tastender Kontakt - brüchig, manchmal komisch, manchmal unerquicklich, aber nie ganz folgenlos.

Regisseur Nicolas Steiner erzählt diese phantasievolle Tragikomödie als dunkle, leicht entrückte Reise. Realität und innere Zustände beginnen ineinander zu greifen, Gefühle gewinnen eine beinahe körperliche Präsenz. Der Film bewegt sich durch nächtliche Räume, Grenzzonen und seelische Abgründe, in denen Sehnsucht ebenso zerstörerisch wie lebensnotwendig erscheint. Die Kamera folgt den Figuren mit ruhiger Konsequenz, verweilt auf Gesichtern, Körpern, Blicken, ohne sie festzulegen. Unterstützt von einem markanten Ensemble, unter anderem mit Lars Eidinger, Jan Bülow, Dominique Pinon und Bettina Stucky, entfaltet sich ein Film, der sich weniger für Auflösung interessiert als für Zustände.
Grit Dora