Originalfassung mit UT

Once Upon a Time in Gaza

Komödie/Drama, Vereinigte Arabische Emirate/Frankreich/Portugal/Deutschland/Großbritannien/Jordanien 2025, 90 min

Gaza im Jahr 2007: Ein Ort zwischen Stillstand und improvisiertem Alltag, geprägt von Blockade, politischer Fragmentierung und einer allgegenwärtigen Ökonomie des Mangels. Student Yahya (Nader Abd Alhay) vertickt mit Dealer Osama (Majd Eid) über ein Falafel-Restaurant Drogen. Die beiden werden Freunde, ihr Business scheint eine fragile Möglichkeit, der ausweglosen Situation zu entkommen. Als sie ins Visier eines korrupten Polizisten geraten, werden dessen Machtspiele und verletzter Stolz zur Gefahr für ihre Freiheit und ihr Leben. Nichts scheint im besetzten Gaza von Dauer, jede Überlebensidee ist provisorisch und bedroht, jederzeit kann der Alltag komplett kippen. Als das passiert, ergibt sich für Yahya eine skurrile neue Chance. Er bekommt das Angebot, in einem Propagandafilm der Hamas die Hauptrolle zu spielen. Natürlich mit echten Waffen, denn für Spezialeffekte reichen die Finanzen nicht…
Die palästinensischen, vielfach preisgekrönten Regie-Brüder Arab und Tarzan Nasser (»Gaza Mon Amour«) erzählen das tägliche Überleben in Gaza als wilden Genremix aus Italo-Western, Comedy und Krimi und machen dabei keinen Hehl aus ihrer Verehrung für Quentin Tarantino und Sergio Leone. Ihr neuestes Werk ist nur verhalten politisch. Der Titel „Once upon a time“ klingt hier weniger nach Märchenstunde als nach einer selbstbewussten Setzung: Auch Gaza ist ein Ort, an dem wilde Kinogeschichten beginnen dürfen. Der Film blickt zurück auf eine frühere Phase permanenter Unsicherheit in der Region und macht spürbar, wie sehr sich Gegenwart, Erinnerung und filmische Erzählung an diesem Ort unauflöslich überlagern. »Once Upon a Time in Gaza« wurde im Frühjahr 2025 im Programm »Un Certain Regard« der Cannes Filmfestival ausgezeichnet.
Grit Dora