Mit leiser Stimme
Lilia (Eya Bouteraa) lebt seit Jahren mit ihrer Partnerin Alice (Marion Barbeau)in Paris. Als sie die Nachricht erreicht, dass ihr Onkel Daly tot ist, nackt aufgefunden, die Umstände rätselhaft, muss sie in ihre Heimat reisen, nach Sousse, Tunesien in die Enge der Familienwohnung, zu ihrer Mutter Wahida (Hiam Abbass). Alice kommt mit, wohnt im Hotel. Sie begegnen einem dichten Schweigen. Lilia spürt den rätselhaften Todesumständen des Onkels nach und stößt auf ein Echo der eigenen Geschichte: Auch Daly war queer, auch er führte ein Doppelleben, allerdings im Geheimen. Ein Geheimnis, das die Familie streng bewahrte, da in Tunesien Homosexualität noch immer unter Strafe steht. Doch nicht nur Gesetze halten das Schweigen aufrecht. Auch innerhalb der Familie spricht man nicht. Das Gewebe aus Geheimnissen, das nicht nur die Familie der Protagonistin, sondern die ganze tunesische Gesellschaft umspannt, durchbricht die Regie mit einem fein inszenierten und sehr berührenden Film. »Mit leiser Stimme« ist der dritte Spielfilm der 1984 in Tunis geborenen Regisseurin Leyla Bouzid. Sie widmete den Film ihrer Mutter, die kurz vor Ende der Dreharbeiten starb. Ihr Debüt »Kaum öffne ich die Augen« (2015) und ihr zweiter Film »Une histoire d'amour et de désir« (2021) umkreisten ähnliche Themen: Das Politische im Privaten, den Körper als Ort der Auseinandersetzung mit Konvention und Kontrolle. Die Aufnahmen von Kameramann Sébastien Goepfert begleiten mit zurückhaltender Intimität. Bei der Berlinale 2026 war der Film für den Goldenen Bären und den Teddy Award nominiert.
Grit Dora
Buch: Leyla Bouzid
Regie: Leyla Bouzid
Darsteller: Eya Bouteraa, Hiam Abbass, Marion Barbeau, Feriel Chamari
Kamera: Sébastien Goepfert
Musik: Yom
Bundesstart: 09.07.2026
Start in Dresden: 09.07.2026
FSK: o.A.