Die Werckmeisterschen Harmonien

Drama, Ungarn/Deutschland/Frankreich/Italien 2000, 145 min

„In einer ungarischen Kleinstadt setzt János Valuska (Lars Rudolph) mit volltrunkenen Kneipengästen einen kosmischen Tanz in Szene und erklärt damit die Funktionsweise des Sonnensystems. Draußen ist es bitterkalt. Auf seinem Nachhauseweg sieht János die neue Attraktion des Dorfes anrollen: einen monströsen, ausgestopften Wal, der auf dem Dorfplatz ausgestellt wird. Fasziniert von seiner Größe sieht er in ihm die Macht Gottes; die Dorfbewohner jedoch gruppieren sich in großer Schar um das Objekt und wittern darin Unheil. Weil der angekündigte Auftritt eines ‚Prinzen‘ nicht stattfindet, entlädt sich ihre Wut - nicht zielgerichtet, vielmehr willkürlich.
Im Grunde passiert nichts überaus Dramatisches; abgesehen von der Szene, in der ein Mob mit völliger Willkür ein Krankenhaus stürmt. Insofern lässt sich der Film darauf reduzieren, dass er Zeit als solche filmisch inszeniert: Jahre, Tage, Stunden, Minuten und Sekunden. Der ungarische Regisseur Béla Tarr spricht selbst davon, dass der Film einen historischen Prozess thematisiert, der prägend für Osteuropa in den vergangenen zwei Jahrhunderten gewesen sei.
Die Zeit ist auch eine Form, in der sich Veränderung eingräbt und zu Tage bringt. In der Eröffnungsszene des Films, bei der Planetenbewegungen nachgestellt werden, offenbart sich bereits die Frage nach der Notwendigkeit, Gegenstände und Planeten in Einheiten und zeitliche Zusammenhänge zu setzen. Was erzählen diese Ordnungen? Die elfminütige Plansequenz formuliert - im Gegensatz zu den lustigen und außergewöhnlichen Bildern - unzählige Fragen, die der Film gar nicht beantworten kann, geschweige denn will.“
Thomas Ochs, Filmmuseum Düsseldorf